Was läuft hier eigentlich schief?!?

Persönliche Eindrücke von Moni, einer PUFL-GRAS Aktivistin:

Als ich vor gut einem Jahr an die Uni gekommen bin war ich zwar eingeschüchtert von der „großen Autorität“ Uni, aber ich war auch voller Tatendrang und voller Hoffnung. Endlich sollte sich die Tür an einen Ort für mich öffnen, an den ich schon immer wollte. Einem Ort, an dem Veränderung möglich ist und soziale Bewegungen oftmals ihren Ursprung haben. 

Ich habe mich darauf gefreut, mich täglich viele Stunden in Texte zu vertiefen, die mir einen detaillierten Einblick in die Gesellschaft erlauben. Ich wollte die großen WissenschaftlerInnen und ihre Werke studieren, mich im „intimen Zwiegespräch“ mit ihren Texten von ihnen zu neuen Denkweisen inspirieren lassen. Ich wollte lernen, wie man kritisch denkt und handelt und damit einen wichtigen Beitrag zu gesellschaftlicher und politischer Veränderung leisten kann. Ich habe mir erhofft, an der Uni die „Werkzeuge“ dafür an die Hand zu bekommen – Werkzeuge, die viele Menschen nicht bekommen, weil sie nicht das Privileg genießen, zu studieren, und sich…..

Doch hal! Moment mal! Wieso können eigentlich nicht alle, die wollen, auch an der Uni studieren? Das ist doch unfair… Aber egal jetzt, ich muss schnell los, die nächste Vorlesung hat ja schon vor 10 min. angefangen…….“

Wow, das war spannend, den Text, den der Professor empfohlen hat, muss ich mir unbedingt gleich raussuchen und lesen. Hmmmmm,…. wo finde ich jetzt einen freien PC-Platz? Ah, SCH…, da ist schon wieder nix frei…. und wie sieht’s hier aus – hier auch nicht – …. OK. Macht ja nichts, ich hol mir das Buch eben morgen.“

Ach so, nein, da kann ich ja gar nicht, ich muss ja morgen arbeiten, das ist ja blöd… hätte ich doch fast vergessen. Na gut, nicht so schlimm – das Buch wird mir schon nicht weglaufen……“

Entschuldigung, jetzt bin ich leider kurz abgeschweift, also nun aber weiter im Text:

Die Uni sollte eigentlich ein Ort sein, an dem StudentInnen lernen, kritsch zu denken und sich und „die Welt“ zu reflektieren. Ein sozialer und politischer Ort, der Menschen dazu anregt, sich mit Themen auseinanderzusetzen und Raum für Austausch bietet- genauso wie Möglichkeiten der Partizipation. Lösungen kann man nur in einem gemeinsamen Prozess erarbeiten…

Oh, ach ja, ich muss mir ja noch schnell das Buch besorgen …… So ein Dreck aber auch, jetzt ist das doch glatt ausgeliehen – aber auf der ULB gibt’s noch ein Exemplar – Wenn ich schnell mit dem Rad losdüse, dann schaffe ich’s vielleicht noch, bevors mir wieder jemand wegschnappt… Verdammt nochmal, das darf nicht wahr sein. Jetzt ist mein Rad schon wieder so deppert„zugeparkt“ – aber eigentlich kein Wunder – viel zu wenig Abstellplätze….. Na endlich – jetzt aber schnell los zur Bibliothek“.

Verflucht nochmal, der Radweg ist so dermaßen blöd angelegt, da fahr ich ja einen kompletten Umweg, aber die Hauptstraße nehmen? Nein, sicher nicht, da sind mir zu viele Autos unterwegs und mit meinen zwei Ordnern, dem Laptop und der Büchertasche mag ich da nicht fahren- wenn’s mich über die Schienen drüberhaut ist der Laptop im Ar……. Also gut, dann also doch Radweg – Wieso wird der eigentlich nicht besser in Schuss gehalten und wieso gibst nicht mehr davon? Ziemlich ÄRGERLICH so was!

Na endlich hab ichs geschafft, jetzt aber hopp, hopp, sonst bekomm ich das Buch schon wieder nicht…

Waaas – hier auch kein Radabstellplatz mehr frei, na gut, dann probier ichs eben da hinten mal -AAARRRRGGGGHHH – das ist sooooo lästig, und jetzt klingelt auch noch mein verfluchtes Handy!

Ja Hallo? Oh, tut mir leid, das hab ich jetzt ganz vergessen – SORRY – bin momentan ein bissi im Stress – wir wollten uns ja heute treffen und das Referat besprechen….. ich bin grad auf der Geiwi –habt ihr den Arbeitsraum noch gekriegt, damit wir in Ruhe was machen können? NICHT? Das gibt’s doch nicht – der ist aber auch echt NIE frei! Auch wenn du schon eine Woche vorher reservieren willst… OK, wo treffen wir uns dann? Hmmmm, ich weiß auch nicht… Ok, dann also in 20 min. bei mir? Ja passt, ich komm gleich!“

Also, ich bitte nochmals um Entschuldigung, jetzt hab ich glatt wieder den Faden verloren: Jedenfalls wollte ich sagen, dass ich mich so wahnsinnig auf die Uni gefreut hab, weil….

Ach Mensch, so ein SCH…. aber auch – ich muss noch schnell einkaufen gehen… hab nicht mal mehr Kaffee daheim – und eine Arbeitsgruppe ohne Kaffee und Snacks ist wirklich nur der halbe Spaß…… Hmmm….. mal schauen, wie viel Geld ich eigentlich noch hab…… Oh, Oh, jetzt fällts mir wieder ein, da werden wir heut wohl nur Wasser trinken….. – mein letztes Geld ist für die Miete und ein paar Bücher draufgegangen…. und dabei sollte ich doch noch so an die 100 Seiten Text kopieren für die Seminararbeit….. hab ich überhaupt noch was auf meiner Kopierkarte drauf?….. Mist, die ist schon wieder leer – das gibt’s doch nicht, hat sich denn die ganze Welt plötzlich gegen mich verschworen?!?“

Ja, ja, ich weiß – ich bin schon wieder vom Thema abgekommen, aber es gibt halt Dinge, die erledigt werden wollen, dafür habt ihr, liebe LeserInnen sicher Verständnis – jetzt schreib ich aber wirklich weiter, versprochen: 😉

Ich habe mich so sehr auf die Uni gefreut, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich mir hier Zeit nehmen darf, Zeit um zu lernen und um mich zu bilden – nicht um mich möglichst schnell ausbilden zu lassen und alles wie eine brave Kuh auf der Weide „wiederzukäuen“ um die „Fakten“ dann bei Prüfungsbedarf bulimisch abzusondern…

HALT, STOP, ich muss echt dringend aufs Sozialreferat – da darf ich nicht zu spät kommen, vielleicht kann mir ja die ÖH weiterhelfen und mir finanziell ein bisserl unter die Arme greifen. Das Stipendium reicht ja hinten und vorne nicht und wenn ich mehr Stunden arbeite, dann kann ich das Seminar nicht mehr besuchen. Und wenn ich das nicht abschließe kann ich die Vertiefung nicht machen- das würde mich wahrscheinlich ein komplettes Jahr zurückwerfen und ich würde mein Stipenidum verlieren. Das geht also nicht…… Also los, die ÖH hilft mir sicher – schließlich bin ich ja in einer Notlage.“

Klopf, klopf…. Hallo? …….Kein Mensch da….. das ist ja komisch, hier steht doch, dass die heute geöffnet haben… Also, ich weiß ja nicht – das soll guter Service sein? Zum VERZWEIFELN ist das alles langsam. Ich hab keinen Cent mehr in der Tasche und eigentlich wollte ich doch… aber egal…“

Obwohl – NEIN, es ist mir überhaupt nicht egal!!! WAS SOLL DAS EIGENTLICH ALLES!?! Interessiert es eigentlich irgendjemanden, wie es uns Studis geht? Es interessiert ja nicht mal unsere eigene Vertretung! Was machen die eigentlich den ganzen Tag? Strickworkshops veranstalten, oder was?!? So nicht mehr, nicht mit mir– wenn die nichts machen, dann muss ich das eben selbst in die Hand nehmen! Scheiß drauf – Stipendium hin oder her – ich bin doch keine Bildungssklavin, die einfach alles schluckt, Nur ja nirgends anecken und niemandem blöd kommen? Das könnt ihr jetzt vergessen – ich bin MÄCHTIG SAUER! Was ist ein formaler Abschluss wert, wenn ich dabei nichts weiter lerne ,außer meinen vollgefüllten Terminkalender möglichst gut zu koordinieren? MIR REICHTS ECHT ENDGÜLTIG!!

Ich mach mich jetzt mal schlau, was da eigentlich schiefläuft und ob echt nur mich das so dermaßen ankotzt – das gibt’s doch nicht – knapp 30.000 Studierende? – da müssen doch noch mehr Leute sein, die keinen Bock mehr auf so ein System haben… und diese Leute werde ich finden….

Und ja – ich habe sie gefunden – bei der PUFL-GRAS 😉

Eine Antwort auf „Was läuft hier eigentlich schief?!?“

  1. Liebes pufl-Gras Team,

    Ich würde mich freuen ein wenig mehr aktuellen Bezug und Einsatz zum Thema MONSANTO auch in Innsbruck zu spüren. Ich wende mich an Euch , da ich ein wenig überrascht war ,dass so wenige Leute über Machenschaften solcher Konzerne Bescheid wissen(v.a. Auf einer Universität). Natürlich betrifft es nicht direkt Eure Arbeit .Jedoch finde ich, dass studentische Politik auch Studenten über Politik informieren soll .

    Also wer sollte dagegen aufschreien wenn nicht ihr? 🙂

    #marchagainstmonsanto

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