Interview: „Universitäten existieren nicht in einem Vakuum“

Wie hat Ihnen Ihr erstes Semester an der LFU Innsbruck gefallen?

Ich hatte einen super Anfang in Innsbruck. Ich war schon einmal hier, vor sechs Jahren hatte ich einen Lehrauftrag, daher kannte ich die Stadt und die Uni ein bisschen. Dieser Lehrauftrag war sehr zufriedenstellend, ich war mit den Studierenden zufrieden, ich hatte den Eindruck sie sind sehr motiviert und involviert. Und dieses Mal war es genauso, ich hatte einen super Anfang, die Kollegen waren sehr nett, freundlich und entgegenkommend, der Winter war mild, das Essen schmeckt mir und ich schlafe gut, also ideal.

Welchen Eindruck konnten Sie in dieser Zeit von dem Geschlechter-Verhältnis an der LFU Innsbruck gewinnen?

Also ich würde sagen, dass europaweit das ein ziemliches Problem darstellt. Es gibt sowieso wegen Kürzungen weniger Stellen und die Situation am akademischen Arbeitsmarkt ist sehr schwierig, weil es immer mehr befristete Verträge gibt und man mehr arbeiten muss um eine Stelle zu bekommen und es auch sehr viel Konkurrenz gibt. Ich bin jetzt seit 15 Jahren im deutschsprachigen Raum unterwegs und habe auch ein bisschen Erfahrung. Ich hatte Lehraufträge in der Schweiz, ich habe 6 Jahre lang in Frankfurt gelehrt und davor war ich an vielen Unis in Deutschland tätig, auch in Österreich. Allgemein sehe ich die akademische Landschaft sehr pessimistisch und wenn die Lage so schwierig ist, geraten Fragen zu Geschlechtergerechtigkeit in Mitleidenschaft. Davon ausgehend, und man wird abwarten müssen wie sich die Situation entwickelt, finde ich sieht es derzeit ganz Okay aus an der Uni Innsbruck. Natürlich arbeiten wir alle unter sehr begrenzten Ressourcen, und die werden immer weniger, aber ich habe den Eindruck beispielsweise, ohne die Statistik zu kennen, dass im Mittelbau die Aufteilung ziemlich proportional ist. Ich hoffe, dass es auch weiterhin so bleibt und auch noch besser wird. Auf der einen Seite ist es eine reine mathematische Sache, wie viele Frauen und wie viele Männer, aber darüber hinaus wenn wir inhaltlich über das Curriculum reden, glaube ich, dass es eine wahre Erfolgsgeschichte ist, das Innsbruck einen Gendermaster hat. Nicht alle Universitäten haben das, in Frankfurt zum Beispiel hatten wir keinen Gendermaster, dort wird gerade versucht einen Genderbachelor anzufangen. Ich glaube das ist eine richtige Leistung und ich finde es auch sehr gut, dass dieser Master sehr transdisziplinär und unter den Studierenden sehr heterogen ist. Es sind sehr viele Männer und Frauen dabei und es werden viele verschiedene Themen berücksichtigt, davon war ich sehr inspiriert. Noch ein sehr wichtiger Aspekt hier ist die Forschungsplattform Geschlechterforschung. Da war ich auch sehr beeindruckt wie transdisziplinär das ist. Ich habe erst vor wenigen Wochen die Leitung übernommen, wenn ich also was Positives sage, dann ist das nicht meine Leistung, sondern die meiner Kolleg_innen. Die Forschungsplattform besteht aus 5 Gruppen, die zu sehr unterschiedlichen Themen forschen und wir haben jedes Jahr Innsbrucker Gender Lectures wo renommierte internationale Wissenschaftler_innen eingeladen werden und die Studierenden haben die Möglichkeit state-of-the-art research zu erleben. Die Teilnehmer_innen bei diesen Lectures sind sehr heterogen und das ist uns sehr wichtig, dass hier ein lebendiger Austausch stattfindet und nicht nur gleichdenkende Menschen sich gegenseitig bestätigen. Trotz alledem, gibt es immer noch viel zu tun im Sinne von Diversität. Wenn wir soziale Gerechtigkeit, wenn wir Fragen der Gleichheit, wenn wir Fragen der Demokratie ernst nehmen, dann ist Diversität ein sehr wichtiger Aspekt. Wir leben in einer Welt die sehr heterogen und kosmopolitisch ist und die Uni soll das auch widerspiegeln, das ist sehr wichtig. Wir leben auch in einer sehr globalisierten Welt wo es sehr widersprüchliche Konsequenzen von diesem Prozess gibt, im ökonomischen, politischen und soziokulturellen Feld. Ich glaube als Forscher_innen haben wir auch eine soziale Verantwortung und ich verstehe Diversität nicht nur als Zelebrierens von Unterschieden, sondern Diversität ist ein sehr wichtiger Aspekt von Demokratisierungsprozessen und sozialer Gerechtigkeit. Wir müssen unser Verständnis von Gerechtigkeit pluralisieren und diversifizieren. Es geht um Geschlechtergerechtigkeit, es geht um ökonomische Gerechtigkeit, es geht um Gerechtigkeit in Fragen der Sexualität. Die sehr ökonomischen Aspekte sind natürlich entscheidend, aber auch nicht-ökonomische Aspekte müssen ernst genommen und berücksichtigt werden, wenn wir über Diversität sprechen. Das ist natürlich eine Frage der Handhabung und welche Gelder zur Verfügung gestellt werden, aber auch eine Frage welche Themen berücksichtigt werden und wer Zugang zu welchen Räumen hat. Alle diese Aspekte müssen ernst genommen werden.

Wir haben bestimmte Fakultäten, wie beispielsweise Jus, wo nur 2 Lehrstühle von Frauen besetzt sind. Wo sehen Sie Gründe für dieses Ungleichgewicht?

Ich glaube es ist ein sehr komplexes Problem und man kann keine einfache Lösung geben. Aber ich glaube es fängt sehr, sehr früh an. Man bekommt schon in der Schule dieses stereotype Verständnis beigebracht und es gibt viele Untersuchungen dazu, warum weniger Schülerinnen Mathe gerne lernen oder warum sie lieber Sprachen lernen. Teilweise hängt das mit sozialer Genderrolle zu tun und was von Männern erwartet wird und was von Frauen erwartet wird. Das sind soziale Konstruktionen von Rollen, von Funktionen, was sehr früh anfängt und außerdem hat es sehr viel mit Bildungschancen zu tun. Wer kann es sich leisten zu studieren? Wer muss schnell einen Job finden, um sich das Leben zu finanzieren? Hat man Unterstützung von der Familie oder bekommt man ein Stipendium? Es ist also nicht nur eine Genderfrage, sondern auch eine Schichtfrage. Wir wissen, dass eine Mehrheit der Menschen an der Uni aus bürgerlichen Familien kommen, wo beide Eltern studiert haben und sehr wenige Kinder aus Arbeiter_innenfamilien oder mit Migrationshintergrund Zugang zu Unis haben. Dazu kommen Hiring-Policies, denn obwohl es Gesetze zur Gleichstellung gibt, dass bei gleicher Qualifikation Frauen bevorzugt werden, glaube ich, dass das nicht immer funktioniert. Das ist nicht nur ein Problem in Österreich, sondern auch international. Man kann nur hoffen, dass es sich in den nächsten Jahren ändern wird, aber es ist wirklich ernst zu nehmen. Manchmal bin ich überrascht, dass die Naturwissenschaftler das eher hinkriegen, dass mehr Frauen dabei sind, als sozialwissenschaftliche Fakultäten. Es braucht mehr Wille hinter diesem Gleichstellungsprinzip. Es gibt ein sehr kritisches Konzept von Sara Ahmed, sie spricht von non-performativity of diversity. Sie sagt, dass je mehr über Diversity gesprochen wird in Institutionen, wie Universitäten, desto weniger divers sind diese Institutionen. Es gibt also eine negative Relation zwischen Rhetorik und Realität und wir wissen heutzutage, dass sehr viele Unis bestimmte Siegel tragen, die ihnen Diversität bescheinigen. Es gibt sehr viele unterschiedliche Evaluationen, wie etwa familienfreundliche Universitäten, die als Marketingstrategie Teil der Corporatization der Unis sind, also der Neoliberalisierung von Universitäten. Die werden produktiver gemacht, die werden effizienter gemacht, viel mehr Druck auf Drittmittel, was übrigens auch eine Rolle spielt, weil ein wichtiger Aspekt unserer Bewerbungsgespräche unser Drittmittel-Trackrecord ist und natürlich bekommt man Drittmittel nur, wenn man Mainstream-Themen recherchiert. Ich selber bin immer wieder überrascht, dass ich überhaupt eine Stelle habe, weil ich eine sehr komplizierte, transdisziplinäre Biographie habe. Ich forsche zu Queer, Gender, Post-Kolonialismus, das sind alles Felder die als marginal in den Sozialwissenschaften betrachtet werden. Und das spielt auch eine Rolle wer die Stelle bekommt und wer nicht. Zurück zum Thema non-performativity, das ist also diese Spannung zwischen Rhetorik und Realität, und die Universitäten wollen sich als kosmopolitisch, als international, als state-of-the-art darstellen, weil es diese Rankings gibt. Außerdem gibt es keine Studiengebühren, das heißt sie sind abhängig von Drittmitteln und da sind diese Marketingstrategien entscheidend, aber die große Frage ist, ob das nur Rhetorik ist oder ob das auf jeder Ebene ernstgenommen wird. Und ich denke, da gibt es noch viel zu tun.

An der Universität Innsbruck können wir beobachten, dass mehr als 50% aller Bachlorabsolvent_innen Frauen sind und je höher man in dieser Leiter hinaufsteig, bis zu den Professuren, bemerkt man einen sehr starken Abstieg des Frauenanteils. Welche Potentiale und Chancen birgt ein größeres Gleichgewicht innerhalb dieser Stellen?

Das ist eine schwierige Frage. Ich kann nur immer wieder betonen, dass es sehr wichtig ist diese Gleichstellungsprinzipien ernst zu nehmen und zwar auf jeder Ebene. Das fängt bei den studentischen Hilfskraftstellen an. Wir müssen sehen das Universitäten nicht in einem Vakuum existieren, sie sind Teil der sozialen Machtverhältnisse und wir sehen bei Betrachtung des Arbeitsmarktes, dass Frauen nicht die gleiche Entlohnung oder die guten Stellen bekommen. Die meisten prekären Stellen sind von Frauen besetzt, und hier kommt auch das Konzept von Diversität und Intersektionalität ins Spiel, denn davon besonders betroffen sind Frauen mit Migrationshintergrund. Ich bin immer noch neu in Innsbruck, aber in Frankfurt habe ich immer wieder gesagt, wenn wir ein richtig diverses Arbeitsteam sehen wollen, dann müssen wir uns die Reinigungskräfte ansehen. Dort sieht man die Diversität. Ich habe manchmal spätabends um 10:00 Uhr in meinem Büro gearbeitet und die Reinigungskraft kommt immer spät am Abend, wenn die Veranstaltungsräume alle leer sind. Und da habe ich nur migrantische Frauen gesehen, aber wenn ich bei den Fakultätstreffen dabei war, wurde ganz klar wie homogen die Gruppe war. Diese Diversität, und ich benutze den Begriff hier sehr ironisch, sieht man bei prekären, schlechtbezahlten Stellen. Da sieht man Frauen, da sieht man Menschen die aus sehr benachteiligten Gruppen kommen und je höher es geht, desto elitärer wird es. Diese Elitenstrukturen müssen wir irgendwie neuordnen. Es gibt bestimmte Mechanismen, die darauf abzielen diese Strukturen abzubauen, aber offensichtlich sind diese nicht rigoros genug. Und da müssen wir ernsthaft überlegen, ob der Wille da ist das durchzusetzen. Ich glaube manchmal ist es so, dass die policy da ist, aber der Wille fehlt und das ist diese non-performativität. Manchmal haben die Unis nicht einmal eine richtige, ernsthafte Antidiskriminierungspolitik. Ich gebe das nicht als Erfolgsbeispiel, aber ein mögliches Beispiel ist Indien. Dort hat man Quotenregeln, das heißt es gibt bestimmte Stellen, die sind „reserviert“ für Menschen aus bestimmten Kasten, da es in Indien nicht nur eine Frage von Geschlecht, sondern auch vom Kastensystem ist. Das „Reservierungssystem“ hält einen bestimmten Prozentsatz der Stellen an der Universität für Menschen aus diskriminierten Kasten frei. Wenn sich also beispielsweise für eine Professurstelle in einer Fakultät nur Menschen bewerben die nicht zu einer diskriminierten Kaste gehören, dann bleibt die Stelle vakant und wird nur durch Gastprofessuren besetzt, bis die Uni eine Person findet. Und weil natürlich die Lehre erledigt werden muss, muss die Uni auch aktiv sein und nicht nur sagen: okay, wir hatten keine Bewerber_innen, deshalb besetzen wir es einfach mit jemand anderes. Ich kenne ein paar Kollegen in Bombay, die dadurch erst richtig die Möglichkeit hatten zu wissen, dass es sich lohnt in ihre Bildung zu investieren. Ich spreche von Menschen aus benachteiligten Gruppen, die nur in ihre Bildung investieren konnte, weil sie wussten, dass die Möglichkeit besteht eine Stelle zu bekommen. Wenn ich sehr viel Geld und Zeit investiere ohne Aussicht überhaupt eine Stelle zu bekommen, weil ich aus einer benachteiligten Gruppe komme, dann ist die Situation sehr schwierig, weil ich die Ressourcen nicht habe. Wenn ich aber aus einer reichen Familie komme, die mich unterstützen, dann kann ich dieses Risiko eingehen. Leider gibt es keine Dr. Oetkers Lösung, wie man in 5-Schritten dieses Problem lösen kann. Ich glaube das ist ein sehr komplexes gesellschaftliches und ökonomisches Problem und die Uni ist einfach Teil dieses Ungleichheitsproblems.

Sehen Sie bestimmte Institutionen, die Sie in die Pflicht nehmen würden?

Ich glaube im österreichischen und deutschen Kontext kommen die Gelder vom Staat und dieser spielt hier natürlich eine wichtige Rolle. In Deutschland wurde vor kurzem durchgebracht, dass auch in der Privatwirtschaft Quotenregelungen eingeführt werden. Dadurch wird versucht die gläserne Decke zu durchbrechen. Ich hatte irgendwie Glück, aber ich kenne sehr, sehr viele migrantische Frauen die sehr qualifiziert wären, aber keine Stelle bekommen haben. Ich kann nicht erklären warum ich eine Stelle bekommen habe. Ich würde nicht sagen, dass ich besser bin, weil ich nicht an dieses meritokratische Argument glaube, ich denke es ist viel komplizierter. Ich bin von meiner Ausbildung her Philosophin, ich gebe eine philosophische Antwort: Ich glaube wir müssen ernsthaft überlegen, wenn wir uns die Arbeitsteilung in unserer Gesellschaft ansehen, wer hat das Recht zu denken, zu intellectual labor und das ist eine sehr grundsätzliche Frage. Wenn nur eine sehr kleine, elitäre Gruppe dieses Recht und dieses Privileg monopolisiert, dann leben wir in einer sehr ungerechten Gesellschaft. Es geht nicht nur darum wie viel Geld wir am Ende des Monats auf unserem Konto haben und, dass alle in unserer Gesellschaft genug zu essen haben. Ich bin zwar keine österreichische Staatsbürgerin, aber ich bezahle meine Steuern hier, ich lebe hier und das ist eine sehr grundsätzliche Frage: Wer darf denken? Kritisch denken. Wer darf an dieser Produktion von Wissen beteiligt sein? Und ich glaube wir haben eine sehr grundsätzliche Teilung in unserer Gesellschaft, diejenigen die Zeit und Geld haben zum Denken und diejenigen die überhaupt keine Möglichkeit haben zu intellectual labor. Das müssen wir ändern. Das muss top-down und bottom-up gleichzeitig passieren und sehr dynamisch sein. Meiner Erfahrung in Frankfurt nach, waren die Studierenden sehr aktiv, sehr engagiert und sehr politisch, aber ihre Macht ist einfach begrenzt. Sie haben nicht dieselben Stimmrechte in Gremien. Gleichzeitig würde ich die Studierenden nicht romantisieren und sagen, dass sie nur kritisch und immer radikal sind und ich würde nicht sagen, dass die Professoren immer konservativ sind. Ich habe alles Mögliche erlebt. Das heißt es muss eine sehr dynamische Bewegung in alle möglichen Richtungen sein, im Sinne von sozialer Gerechtigkeit und Demokratisierung von Institutionen, ob es Fakultäten sind, ob es die ganze Institution ist oder die ganze Gesellschaft.

Inwiefern sehen Sie die Problematik der Diskriminierung von Drittstaatsangehörigen im österreichischen Hochschulsektor und sahen Sie sich selbst vielleicht schon einmal mit dieser Problematik konfrontiert?

Ich bin immer noch neu in Innsbruck, aber aus Deutschland kann ich nur schlechtes erzählen. Die Stadt Frankfurt hat glaube ich fast 35% Migrant_innen, es ist also eine sehr, sehr heterogene Gesellschaft mit Migranten aus der ganzen Welt und auch die Studierenden waren sehr heterogen. Aber die Fakultäten waren absolut homogen, das war unglaublich. Die haben alle zu Globalisierung und zu Transnationalisierung geforscht und waren zu circa 90% deutsch und aus bürgerlichem Elitenkontext. Dieser Unterschied war absolut unglaublich. Ich glaube ich könnte an einer Hand abzählen wie viele Migrant_innen in diesen Positionen sind. Ich habe kein banales Verständnis von Diversität. Ich würde nicht sagen, dass nur wenn wir mehr Frauen oder Migranten an der Uni haben, dann ist das automatisch eine gerechte oder demokratische Institution. Es hängt natürlich davon ab was die machen. Und das macht das Ganze so kompliziert. Viele Frauen und Migrant_innen die nur Mainstream forschen und lehren, können den Status Quo nicht ändern. Die Chance, dass Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund eine Stelle bekommen, wenn sie sehr Mainstream forschen ist höher, als wenn sie heterodoxe Felder untersuchen und grundlegende Auffassungen der Disziplinen hinterfragen. Um auf meine Erfahrungen zurückzukommen, ich hatte die Stelle für Gender und Post-Kolonialismus in Frankfurt und es war eine befristete Stelle, und es ist ganz klar, dass an den deutschen Universitäten immer noch ein sehr konventionelles und konservatives Verständnis von Fachdisziplinen herrscht. Mein Fach „Politische Theorie“ ist sehr eurozentrisch. Es fängt mit griechischer politscher Theorie an und endet mit moderner europäischer politscher Theorie. Nicht westliche Perspektiven werden nicht berücksichtigt und wenn doch, dann nur als Fußnoten. Man braucht sich nur den Syllabus ansehen, um zu erkennen wie eurozentrisch und androzentrisch der ist und das waren auch meine Erfahrungen in Deutschland. Es wird noch ein paar Jahrzehnte dauern, bis sich das ändert. Manchmal kommt es mir so vor wie: zwei Schritte vor und einer nach hinten. Ihr als Studierende müsst später auf dem Arbeitsmarkt bestehen, und wenn ihr diese eurozentrische Sichtweise nicht verlernt , dann werdet ihr sehr unvorbereitet sein für das was derzeit in der Welt passiert mit den wachsenden Ökonomien in Indien, China und Lateinamerika. Deshalb ist es ganz wichtig diese Internationalisierung auch ernst zu nehmen und zu thematisieren und zwar nicht nur in den Kursen in denen man die wachsenden Mächte Indien und China in 2 Sitzungen abhackt.

Was würden Sie sich von einer studentischen Interessensvertretung wünschen?

Ich würde hoffen, dass sie wirklich versuchen die Interessen von allen möglichen Studierenden zu vertreten. Politik hat sehr viel mit hören und sprechen zu tun und da müssen wir das ernst nehmen wer spricht in wessen Namen, wer wird gehört und wer hat nicht die Möglichkeit gehört zu werden. Und was kann man machen, um diese Politik der Repräsentation gerechter zu machen. Ich glaube das ist auch ein sehr wichtiger Aspekt von Gerechtigkeit, die Repräsentationspolitik und sensibel gegenüber heterogenen Meinungen und Diversität zu sein. Das ist meine Hoffnung.

Nikita Dhawan ist Universitätsprofessorin an der LFU Innsbruck und Leiterin der Forschungsplattform Geschlechterforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte erstrecken sich über Transnationalen Feminismus, Globale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Demokratie und Dekolonisierung.

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